Montag, 28. November 2011
Warum nicht einfach Weihnachten ausfallen lassen?
Warum sollten wir in diesem Jahr Weihnachten nicht einfach einmal ausfallen lassen? Es wäre doch eine spannende Idee, das einmal auszuprobieren. Ein Jahr ohne Geschenkestress. Ein Jahr ohne Angst vor schwierigen Verwandten. Ein Jahr ohne überladenen Magen. Ein Jahr ohne aufgesetzte Stimmung, einschließlich eines Verbots für alle Läden, die Kunden mit sogenannter Weihnachts-musik zu beschallen.
Wie klingt das für Sie? Interessant? Empörend?
Wie kann man an so etwas überhaupt denken! Denn schließlich gibt es ja auch gute Gründe für Weihnachten: Der Schaden für den Einzelhandel, ja für die gesamte Wirtschaft wäre verheerend. Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Die Kinder wären enttäuscht. Wer anderen gerne etwas schenkt, wäre auch enttäuscht, weil er nicht in dankbar strahlende Gesichter schauen könnte. Die Feiertage fielen weg und wir müssten eventuell arbeiten. Worüber der Finanzminister wohl froh wäre, weil das über die abgeführte Lohnsteuer einiges in die Staatskassen spülen würde. Zumindest wäre das ein Ausgleich für den Einbruch bei der Mehrwertsteuer, wenn weniger Weihnachtsgeschenke gekauft würden. Die Kirchen verlören einen Großteil ihrer Gottesdienstbesucher. Wir würden mit vielen Traditionen brechen, mit Dingen, die wir schon immer so gemacht haben. Auch ist es ja schön, wenn man selbst etwas geschenkt bekommt.
Das sind alles wichtige Gründe für Weihnachten. Aber sind liebgewordene Traditionen und volkswirtschaftliche Bedenken Grund genug für ein solches Fest? Sie merken, ich will nicht das Weihnachtsfest schlecht machen. Ich stelle aber die Frage nach dem Warum und dem Wozu. Ich möchte uns Mut machen, uns einmal, bevor wir in den weihnachtlichen Trubel eintauchen, ein wenig abseits zu stellen und das Ganze mit Abstand zu betrachten.
Warum feiern wir dieses Fest? Was ist der Grund und wer berechtigt uns dazu? Und wozu feiern wir dieses Fest? Was soll damit erreicht werden?
Nichts gegen schenken und beschenkt werden, aber als Grund für Weihnachten ist das zu wenig! Beschenken könnten wir uns genauso gut am 12. Mai oder am 27. Juli. Nichts gegen Tradition, aber als Grund für Weihnachten ist das zu wenig! Denn stimmungsvoll kann es auch am 3. Februar sein. Und Schnee hat es dann auch eher als Ende Dezember.
Ich finde, es muss einen Grund und ein Ziel für das Weihnachtsfest geben, etwas, das so stark ist, dass wir Weihnachten feiern könnten, selbst wenn es keine Geschenke und überhaupt keinen feierlichen Rahmen geben könnte.
Neulich sagte jemand: “Wenn wir an Weihnachten ‚O du fröhliche‘ singen, dann ist das ganze Evangelium da. ‚Welt ging verloren, Christ ist geboren‘ – damit ist alles gesagt, was wir für ein gelungenes Weihnachtsfest brauchen!“
Nein, wir brauchen Weihnachten nicht abschaffen. Schließlich ist hier ja wirklich das geschehen, was unser Leben für alle Ewigkeit verändern kann! „Gott wird Mensch dir Mensch zugute“, das übersteigt jedes weihnachtliche Hochgefühl. „Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben“, das stellt jedes Geschenk in den Schatten.
Ich wünsche uns allen, dass wir in diesem Jahr, nicht wie alle Jahre wieder, Weihnachten hinter uns bringen, sondern dass wir gepackt, erfüllt und durchdrungen werden von der unbändigen Freude über den Gott, der es im Himmel nicht mehr ausgehalten hat; den die Sehnsucht zu uns getrieben hat; der sich selbst uns zum Geschenk macht und trotzdem unser Herr bleibt; der nicht kam, um eine Tradition zu begründen, sondern um durch sein Leiden und Sterben am Kreuz das Fundament für unser ewiges Leben zu legen; der alle Konventionen brach, unser Denken auf den Kopf stellte, weil er uns an der Hand nehmen will und uns ein ganz anderes, neues und unkonventionelles Leben schenken will. Was Gott an Weihnachten getan hat, ist es allemal wert, dass wir uns daran erinnern und diese Liebe feiern.
Ein frohes Fest wünscht Ihnen, Pfarrer Michael Sarembe